Das Projekt WeristJens*?

Aktuelles und Neuigkeiten aus dem Projekt

Vorträge & Tagungen:

Im Oktober 2020 stellten Stephanie Simon und Julian Sehmer in einem gemeinsamen Panel mit Friederike Thole und Stefanie Leinfellner Befunde aus dem Projekt WeristJens*? vor. Das Panel gibt es unten auf dieser Seite zum Nachschauen und -hören und wir freuen uns über Kommentare, Hinweise & Diskussionen.

 

Im Rahmen des Forschungsprojektes „WeristJens*?“ von Stephanie Simon und Julian Sehmer werden ausgehend von berufsbiographischen Perspektiven die Arbeits- und Lebenssituationen von Wissenschaftler*innen jenseits von unbefristeten Professuren in der Erziehungswissenschaft, deren Thematisierungen und Deutungen ihrer beruflichen Biographie und ihrer Position innerhalb des wissenschaftlichen Feldes untersucht und mögliche Auswirkungen eines wettbewerbsorientierten Wissenschaftssystems auf die inhaltliche Ausgestaltung der Erziehungswissenschaft diskutiert.

Wissenschaftler*innen jenseits von unbefristeten Professuren (Jens* von P)

Innerhalb der Erziehungswissenschaft, wie auch im wissenschaftlichen Feld insgesamt, lässt sich ein anhaltender Diskurs um die Frage der Bedingungen der Wissensproduktion, also der Bedingungen unter denen Wissenschaftler*innen in Forschung und Lehre Wissen erzeugen und transformieren, konstatieren. Eine spezifische Thematisierung innerhalb der erziehungswissenschaftlichen Wissenschaftslandschaft ließ sich jüngst beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft in Essen 2018 nachvollziehen, wo Leitlinien für die Beschäftigung von Wissenschaftler*innen jenseits unbefristeter Professuren diskutiert worden sind. Ein Teil eben jener Wissenschaftler*innen kritisierte, dass die vorgestellten Richtlinien deutlich zu kurz griffen. Im Nachgang zum DGfE-Kongress gründete sich ein Netzwerk, das unter dem Namen Jens* von P (jenseits von unbefristeten Professuren) eine erste Tagung veranstaltete, um die aufgeworfenen Fragen weiter zu diskutieren. Hier wurde etwa über die vielfältigen Wege, Erfahrungen und Deutungen dieser großen Gruppe innerhalb der Erziehungswissenschaft gesprochen und konstatiert, dass bisher abgesehen von quantitativen Daten nur wenig auf empirisches Wissen rekurriert werden kann. Das vorgestellte Projekt soll jene Lücke in den Blick nehmen und empirisches Wissen darüber liefern, wer diese Wissenschaftler*innen “Jens* von P” sind.

Die Studie

Für das Forschungsprojekt „WeristJens*?“ untersuchen wir die Arbeits- und Lebenssituationen von Wissenschaftler*innen jenseits von unbefristeten Professuren in der Erziehungswissenschaft und mögliche Auswirkungen eines wettbewerbsorientierten Wissenschaftssystems auf die inhaltliche Ausgestaltung der Erziehungswissenschaft. Es stehen dabei aktuelle Perspektiven von Erziehungswissenschaftler*innen im Zentrum. Aus einer (berufs-)biographischen Perspektive mit Hilfe autobiographisch-narrativer Interviews, versuchen wir, die sich wandelnde Forschungslandschaft aus der Akteur*innenperspektive in den Blick zu nehmen, um so zu eruieren, wie sich die Situation im Wissenschaftssystem für Wissenschaftler*innen jenseits von unbefristeten Professuren in der Erziehungswissenschaft darstellt und wie diese auch die Inhalte von Forschung und Lehre bedingt. Wir rekonstruieren die Thematisierungen und Deutungen der Veränderungen und Anforderungen des Wissenschaftsbetriebs in den biographischen Konstruktionen von Erziehungswissenschaftler*innen jenseits unbefristeter Professuren und fragen danach, welche Auswirkungen dies auf eine sich kritisch verstehende Erziehungswissenschaft haben kann.

Im Sampling achteten wir darauf, möglichst differente Ausgangslagen, Positionen und Perspektiven zu Wort kommen zu lassen. Es finden sowohl verschiedene erziehungswissenschaftliche Perspektiven, als auch strukturelle Unterschiede und Positionen Berücksichtigung. Es werden sowohl “extern” promovierende, als auch an hochschulen angestellte, wie auch promovierende, habilitierende und nicht mehr in Qualifizierung befindliche Menschen ins Sampling einbezogen.

Forschungsethisch war es uns wichtig, von Anfang an zu sichern, dass die generierten Befunde in der Präsentation keine Rückschlüsse auf die Interviewten ermöglichen. Durch die Logik des wissenschaftlichen Feldes, ist es daher notwendig gänzlich auf die Präsentation von Befunden auf Ebene des einzelnen Falles zu verzichten. Die Interviews wurden von einer studentischen Mitarbeiterin geführt, transkribiert und pseudonymisiert, sodass auch die Forschenden selbst nur die anonymisierten Interviews kennen.

Das Projektteam

Die Interviews führte und transkribierte Anna Czubayko als studentische Mitarbeiterin, der wir hierfür ganz herzlich danken!

Die Videos zum Panel "EZW 2.0: Prekarisierung von Wissenschaftler*innen jenseits unbefristeter Professuren als Optimierungsmotor der Disziplin" gibt es hier zum Nachhören.

In diesem Panel trugen Stefanie Leinfellner, Friederike Thole, Stephanie Simon und Julian Sehmer am 13. November 2020 bei der Online-Tagung der Kommission Wissenschaftsforschung der DGfE vor. In ihrer AG mit dem Titel: “EZW 2.0: Prekarisierung von Wissenschaftler*innen jenseits unbefristeter Professuren als Optimierungsmotor der Disziplin” werden schlaglichtartige Erkenntnisse aus dem Projekt “WeristJens*?” mit historischen und explizit geschlechter- und familienreflektierenden Perspektiven kontrastiert bzw. ergänzt und Konsequenzen für das solidarische Agieren von und für Wissenschaftler*innen Jens* von P diskutiert.

Weitere Informationen zur Kommission und zur Tagung finden Sie hier.

Die Vorträge und Vortragsfolien unseres Panels können Sie sich im Folgenden noch einmal ansehen bzw. anhören. Nutzen Sie gerne auch die Kommentarfunktion unten, um diese zu diskutieren!

Wir danken ganz herzlich der Kommission Wissenschaftsforschung für die Organisation der Tagung und die Einladung, dort unsere Perspektiven vorzutragen. Inbesondere danken wir Katharina Vogel, Susann Hofbauer & Felix Schreiber! Und ein besonderer Dank geht an Kerstin Jergus, die im Anschluss die Vorträge kommentierte und eine Brücke zur intensiven Diskussion geschlagen hat.

Friederike Thole (Universität Kassel) eröffnet das Panel mit einer kurzen ersten Einführung und gibt in ihrem Vortrag Einblicke zu den Thematisierungen von Erziehungswissenschaftler*innen, die im Zuge der 1968er Bewegung ihren Weg in die Wissenschaft gefunden haben.

Stefanie Leinfellner (Universität Paderborn) gibt in ihrem Vortrag Einblicke in diskursanalytische und biographische Forschungsergebnisse ihrer Dissertation und diskutiert, wie im Kontext wissenschaftlicher Karrierewege Transformationen von Familie thematisiert werden bzw. wie Familie und der (sich wandelnde) Arbeitskontext Wissenschaft aus Sicht der von ihr Interviewten miteinander vereinbar sind.

Stephanie Simon (ITES & Uni Kassel) und Julian Sehmer (ITES, Uni Kassel & HAWK Holzminden) tragen Befunde aus dem Projekt WeristJens*? zu den biographischen Perspektiven von Wissenschaftler*innen jenseits unbefristeter Professuren, ihren Wegen in die Wissenschaft, ihren Deutungen des wissenschaftlichen Feldes, der Bedeutung ihrer Dissertation und familialen (Nicht-)Anschlüssen vor.

Wir freuen uns über kritische Anmerkungen, Hinweise und Diskussionen im unten stehenden Kommentarbereich oder per Mail.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Max

    Spannende Tagung! “Jens*” werd ich mir merken, den Begriff finde ich gut. Gibt es eine Fortsetzung der AG?

    1. Julian Sehmer

      Vielen Dank für die Rückmeldung! Wir werden das Thema in jedem Fall weiterverfolgen und freuen uns, wenn es auch 2021 viele Gelegenheiten gibt, die Befunde vorzustellen und vor allem mögliche Konsequenzen/Umgangsweisen zu diskutieren.